Wer ist bei Ihnen schuld, dass es gerade nicht gut läuft?

Die Firma, der Chef, der Partner, die Kinder, die Schwiegermutter, die Kassiererin an der Kasse, die Politiker? Alle sind schuld.

veröffentlicht am: 14/02/2018

Doch ist das wirklich so?

Mein Mann, der von Beruf Anwalt ist, benutzt auch gerne das Wort Schuld. Er sagt: „Natürlich gibt es Schuld! Wenn jemand gegen das Gesetz verstößt, ist er schuldig!“

Ich bin der Meinung, es gibt keine Schuld – vor allem nicht am Arbeitsplatz.

Gerade im Bereich der Mitarbeiterführung oder Kindererziehung behindert das Wort „Schuld“ und es kostet uns wertvolle Lebenszeit, den Schuldigen zu suchen, anstatt eine gute Lösung für das Problem oder die Herausforderung zu finden.

Wo immer und wie früh das Thema Schuldigsein gelehrt wurde, bei meinen Kindern ging das schon im Kindergarten los: Wenn sie das Bastelzeug vergaßen, haben sie sich mit dem Satz „Meine Mama hat vergessen, es einzupacken. Sie ist schuld.“ sozusagen befreit. Interessant!

Mich persönlich ermüdet es heute mit 60 Mitarbeitern mehr, als dass es mich begeistert, einen Schuldigen zu suchen. Denn haben wir am Ende dadurch einen Mehrwert? Und wenn ja, welchen? Ist es einfacher, einem anderen die Schuld zu geben, als selbst verantwortlich für uns und unser Leben zu sein? Geht es um die eigene Angst, dass wir bestraft werden, wenn wir schuld sind?

In unserem Hotel- und Gastronomie-Betrieb halte ich „bestrafen“ für unprofessionelle Führung, denn wir gehen davon aus, dass jeder Mitarbeiter bereit ist, sein Bestes zu geben. Und wenn dies in Einzelfällen nicht möglich ist, finden wir gemeinsam eine Lösung, wie das eigene Potenzial entfaltet werden kann.

Unterläuft einem Teammitglied ein Fehler, dürfen wir uns in der Führung mehr die Frage stellen, an welcher Stelle hat wer denn wen falsch verstanden, um dann an dieser Stelle die Veränderung herbei zu führen.

Verantwortung übernehmen statt den Schuldigen suchen

Die Frage nach der Schuld hilft unserer Erfahrung nach nicht die Lücke zu schließen. Wir geben dem Wort Schuld den Namen Verantwortung und regeln die Bereiche, an der die Lücke oder der Fehler entstanden ist, neu. Damit machen wir sehr gute Erfahrung.

Der Mitarbeiter kommt schon ohne Angst in das Personalgespräch. Dadurch finden wir sehr schnell eine Lösung und der Betrieb läuft an dieser Stelle erneut rund. Wir gehen in den Gesprächen freundlich und offen miteinander um, weil keiner die Befürchtung haben muss auf dem „Schuldnerbänkchen“ zu landen.

Auch Kinder sind verwundert, wenn die Suche nach dem oder der Schuldigen aufhört. Gerade auch unter Geschwistern gehen die Streitereien, wenn es welche gab, zurück.

Probieren Sie es doch mal: Streichen Sie das Wort „Schuld“ aus Ihrem Wortgebrauch und ersetzen Sie es mit dem Wort „Verantwortung“!

Kehrt Freude, Lebensenergie und ein herzliches Miteinander zu Ihnen zurück?

  • #Mitarbeiterführung der Zukunft

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